Beth Chatto "Im grünen Reich der Stauden" (T.d.M. Okt.2015)

    • Beth Chatto "Im grünen Reich der Stauden" (T.d.M. Okt.2015)

      Ich mochte auch etwas schreiben. Ich besitze gut anderthalb Buchmeter Gartenlektüre, gesammelt in 30 Jahren.

      Meine "Bibel", was den Nutzgarten betrifft, ist auch , wie bei Nelly, Marie-Luise Kreuter's "Biogarten". Ich habe 1984 ( mit 28 ) angefangen damit zu gärtnern - und nach 30 Jahren ist es immer noch aktuell!

      Jetzt ist es aber so, dass ich auch ein Fan von schön und frei angelegten Staudengärten bin. Damals, als ich anfing, gab es in Kraut&Rüben die ersten Artikel über einen Engländer, der ganz anders gärtnerte als ich es bis dahin kannte.
      Da konnte man die ersten Fotos von Weidenzäunen bestaunen, über die sich blühende Strauchrosen beugten, während an deren Fuß wilde Margeriten und Ringelblumen wucherten, wiederum unterpflanzt mit Veilchen. Und das zu einer Zeit, als in Deutschland die Rosen noch ordentlich im Rondell im Rasen wuchsen und die Hauseinfahrten durch und durch mit Cotoneaster bepflanzt waren. Ich war fasziniert! Von dem habe ich nie ein Buch in die Hand bekommen - vielleicht gab es nie eins? - aber 1989 dann das Buch von der Engländerin Beth Chatto: "Im grünen Reich der Stauden."
      Das ist seitdem meine zweite "Bibel", diesmal bezogen auf den Staudengarten.

      Es ist es sehr großes, schön bebildertes Werk, erschienen bei Ulmer. Sehr aufschlussreich sind zu den Fotos und Zeichnungen die Texte! Beth Chatto war meines Wissen mit die Erste, die nicht "gegen", sondern "mit" einem Standort gärtnerte.
      Sie hatte - neben normalen Zonen - sehr unterschiedliche Bereiche in ihrem großen Schowgarten: extrem sonnig und trocken, sehr schattig und extrem trocken, sowie sumpfig bis nass.
      Sie beschreibt in der Ich/Wir-Form, was sie damit anstellte, und in welchen Kombinationen sie sie bepflanzte. Ihr Ziel war z.B., die trockenen Bereiche überhaupt nicht gießen zu müssen und selbst in tiefem, trockenen Schatten noch einen schönen, malerischen Bewuchs hinzubekommen. So lernte ich viele Stauden bezogen auf ihre Standortbedürfnisse kennen, ein Wissen, was mir vorher komplett fehlte.
      Hinzukommt, dass Chatto mit optischen Leitpflanzen, mit optischem Vor- und Hintergrund und immer mit Unterpflanzungen arbeitet. Bei ihr bleibt kein Krume Boden unbedeckt. Ziel der Bemühung ist, dass quasi zu allen Jahreszeiten eine Fläche, selbst wenn sie in tiefstem, trockenen Schatten liegt oder in sengender Sonne, sie doch noch optische Schönheit und Vielfalt bietet. So lernte ich ansatzweise, welche Stauden man mit welchen kombinieren und ggf. unterpflanzen kann - dadurch eröffnete sich mir ein großer Horizont!
      Hinzukommt, dass sie keineswegs nur mit gängigen Stauden, sondern auch mit Wildpflanzen oder mit für mich damals völlig unbekanntem Zeug arbeitete. Vermutlich war ich die Erste weit und breit, die vor knapp 30 Jahren schon Ophiopogon planiscapus 'Nigrescens' als Unterpflanzung im Garten hatte. :zopfie_zwinkgrins

      Jedenfalls, so kam es, dass ich durch das Buch auf Standorte aufmerksam gemacht, 1989 einen wahnsinnig guten "Pflanzenkatalog" fand. Er stammte von der Gärtnerei Ahrends/Maubach in Wuppertal. Es war der erste ( und bislang letzte) Katalog, der komplette Pflanzenübersichten bot zu den Themen: Beet, Freifläche, Steingarten, Gehölz, Gehölzrand sonnig, Gehölzrand absonnig und etwas feucht, etc, etc.
      Dazu im großen Innenteil Beschreibungen der einzelnen Stauden, wieder mit ihren Bedingungen.- Möglicherweise gibt es den Katalog noch so im Internet, ich weiß es aber nicht.

      Mit diesen zwei "Werkzeugen" in der Hand, konnte ich nun selbst anfangen zu kombinieren! Und das war nötig!
      Ich geriet - per Umzug - 1994 an einen großen Garten, der von neunundachzig 30 Meter hohen Tannen umstanden war. Nicht nur das! Im Garten gab es noch zwei riesige Kirschbäume, zwei Koniferenwäldchen - eines feucht mit Wasserpampe im Untergrund ( anschließend an meine Terrasse) - und eines extrem trocken. Dazu eine Freifläche, unter dort von unten entasteten Tannen, auf deren wurzeldurchwachsenen Boden teilweise die Südsonne prasselte.

      Ohne das Wissen aus Beth Chattos Buch, hätte ich damit schwerlich etwas anfangen können. Jetzt tat ich das, was sie auch irgendwo beschreibt: ich stellte und setzte mich in den Garten und "nahm wahr". Ich nahm wahr, wo die Schatten am tiefsten waren, ich nahm wahr, wo die Sonne doch noch durchbrechen und einige Stunden am Tag einen Fleck bescheinen würde, wo sie auch kräftig scheinen würde, zum Beispiel südlich unter einer riesigen Kiefer. Dort war der Boden zwar sonnig, aber auch extrem trocken! Es gedieh dort, als ich einzog - NICHTS! Nur vertrocknete, verbrannte Erde. Ebenso unter vielen Tannen, die südlich standen und die unten entastet waren.
      Ich nahm wahr, wo der Boden feucht und eindeutig sauer war, das konnte ich an den Beikräutern erkennen.
      Langsam formte sich in meinem Inneren ein Bild der zukünftigen Bepflanzung.
      Ich lebte 17 Jahre dort.

      Es gab bald auch bei mir wunderschöne "Gartenbilder". Ich fand einen wilden Ysander ( Dickmännchen) , der bald die Fläche unter der Kiefer begrünte. Nachdem die einmal grün war und nun den Regen hielt, konnte jetzt auch anderes dort wachsen und blühen...
      Die Sache mit dem knorztrockenen Boden unter den ( unten bis in 5 Meter Höhe entasteten) Tannen nahm ich mit Beth Chattos "Efeu-Trick". Man setzt einfach kleine Efeupflanzen in kleine Nester aus Kompost. Aber, das ist nicht der größte Trick! Der größte Trick für mich ist, Schatten, auch Schatten von oben zu erkennen und dann mit weißlaubigen Pflanzen gegenzuarbeiten! Hast du dergleichen Pflanzen im Schatten, funkelt das Weiß daraus hervor wie lauter kleine Lichter! Der Schatten wird dadurch erhellt und verschönt! Ich besorgte mir also zig feinblättrige, schwach wachsende Efeusorten mit weißpanaschiertem Laub in den unterschiedlichsten Blattformen. Die gingen dann die Tannenstämme hoch, legten sich etwas über den Boden und begannen den Zauber. Ich musste hier gar nicht mehr viel tun, nachdem ich ein bisschen eine Grundlage gelegt hatte. An den schattigeren Stellen, fanden sich bald Akelei ein und Farne, Veilchen und Scharbockskraut, die grüne, korsische Nieswurz saete sich bald überall selbst aus. Wilde Orchideen kamen. Ich pflanzte Lungenkraut, mit besonders ausgesuchten, fast weißen Blättern, hübsch zu der grünen Nieswurz.

      Lonicera konnte gedeihen und sich in die Tannen hochranken, an sehr sonnigen Stellen konnte ich sogar gelbe Kletterrosen pflanzen, die dann in die Tannen stiegen.

      Auf dem sauren, feuchten Boden vor der Terrasse legte ich einen Azaleen- und Rhododendrongarten an.
      Bald war mein Garten sehr schön. - Und ohne Beth Chatto wäre das nichts geworden.
      Also, wenn Ihr etwas über Stauden und Standorte und Anordnung wissen wollt - und ähnliche Gedanken habt wie ich - ist das sicherlich ein sehr interessantes Buch.

      Lieben Gruß,
      Anjoli
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