Des Menschen bester Freund

    • ralui schrieb:

      Meine älteste Hündin macht mir Sorgen.
      Ja, es ist verdammt schmerzhaft, wenn wir Menschen mitkriegen, wie unsere geliebten Hunde nach und nach immer weniger können, sie eindeutig altern und schwächer werden.
      Der einzige Trost, den ich Dir geben kann: Sie wissen nicht, dass sie sterben.

      Wenn der Hund bis in die Höhe seines natürlichen Alters noch schmerzfrei sein darf, geht der vielleicht etwas humpelnd und müde, aber immer noch schnüffelnd interessiert seinen letzten Gang. Und wenn dann die Kälte nach ihm greift, wird er hinter Dir herkriechen, und Dich mit seinen Augen um eine Umarmung und um eine wärmende Decke bitten. DICH wird er bitten, denn Du warst der Sinn und die Freude seines Lebens.
      Ja, für uns ist es Schei**e und es ist bitter und es tut so verdammt weh!
      Aber der an Altersschwäche sterbende Hund freut sich darüber, noch einmal von Dir innig geküsst und liebevoll umarmt worden zu sein.

      Ich habe den Eindruck, die Seele geht leicht, zwar nicht mehr fröhlich, aber zumindest geborgen.
      Ein Ernst hat sich ausgebreitet, im geliebten Hundegesicht.

      Ich würde das nicht schreiben, wenn ich es nicht kennen würde.
      Ein Garten ist der Spiegel der Seele, die ihn betreut.

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    • Ich danke euch für eure Worte, noch ist es ja nicht soweit und ich hoffe auch, dass es noch eine Weile hin ist, doch die Veränderung ist unübersehbar und der gestrige Tag war auch ein deutlicher Schritt in Richtung Lebensende.

      Ich habe in meinem Leben schon so manches Tier (nicht nur Hunde) auf ihrem letzten Weg begleitet und glaube, nein, bin überzeugt davon, das sie sehr wohl wissen, das sie sterben. Und gerade dieses Wissen, tröstet mich - denn der Tod gehört nunmal zum Leben dazu.

      Mehr als einmal habe ich erleben können, wie sich zum Beispiel ein Hunderudel verändert/verhält, wenn eines ihrer Mitglieder stirbt und wie wertvoll es für dieses Rudel ist, wenn das alles möglichst natürlich ablaufen darf und der geschwächte Hund im Kreise dieses Rudels gehen darf. Der sterbende Hund wird von den Anderen begleitet, bis zum letzten Atemzug, das ist eine ganz besondere Atmosphäre, da wird sich verabschiedet.
      Ist der Hund dann gestorben, ist es aber auch "erledigt" und das Leben der anderen geht weiter. Dann kann man den toten Hundekörper aus dem Rudel entfernen und beerdigen. Es ist aber ganz wertvoll, wenn man den Hunden die Möglichkeit geben kann, sich zu verabschieden. Viele Hunde trauern auch, was für mich auch dafür spricht, das Hunde den Tod "kennen und begreifen".
      Ich selber konnte bisher den Tod eines geliebten Tieres auch immer viel besser verarbeiten, wenn das Tier zuhause im Kreise seiner Lieben gehen durfte, als wenn man in die Klinik fahren musste, um das Tier dort erlösen zu lassen.

      Im Tierreich gibt es viele Arten, die sich des Sterbens bewusst sind (wenn das nicht vielleicht auch bei Allen so ist und wir Menschen dies nur noch nicht "bewiesen" haben), bekanntestes Beispiel dafür sind wohl die Elefanten...

      Nun, noch ist das bei uns ja zum Glück nicht soweit und ich hoffe sehr, dass Holly im Frühling noch unseren geplanten Neuzugang erleben darf. Sie mag auf jeden Fall nicht mehr die Treppe mit nach oben kommen und so schlafe ich jetzt erstmal unten auf dem Sofa, denn in einer Familie muss man zusammenhalten.
      Wer weiter denkt - kauft näher ein. :zopfie_einkaufen
      Unsere gemeinsame Mutter Natur zeigt ihren Kindern immer deutlicher,
      daß ihr der Geduldsfaden gerissen ist. :zopfie_verlegen Dalai Lama
    • :heul nun sitze ich noch vor dem Frühstück weinend rum....hatte das Thema ja gerade mit meiner Katzenoma...ach es ist nicht einfach. Auch gerade weil es einen an die eigene Sterblichkeit erinnert und die seiner Lieben. Es klingt wundervoll, was du so schreibst vom Hunderudel. Dann geht es deinen Hunden besser als den meisten Menschen. Ich habe auch bei den Katzen das Gefühl gehabt, dass sie es merken und irgendwie enger zusammen rücken. (also die, die ein enges Verhältnis haben, weil sie zusammen groß geworden sind) Ich finde es eh sehr berührend, wie gut du Teil deines Rudels bist. Knuddel die alte Dame mal von mir. Ich hoffe, sie hat nicht so viel Schmerzen in den Knochen, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit und ihr ist es vergönnt, das neue Familienmitglied ein Weilchen zu begleiten. :zopfie_umarm
      LG
      Antje :zopfie_katze


      To plant a garden is to believe in tomorrow. :zopfie_herz
      (Audrey Hepburn)
    • Anro schrieb:

      gerade weil es einen an die eigene Sterblichkeit erinnert und die seiner Lieben.
      Ja :zopfie_umarm

      Spoiler anzeigen

      Etwas OT jetzt daher im Spoiler...

      Früher war der Tod für mich nicht wirklich greifbar und ich habe ihn nur mit etwas negativen verbunden. Ich weiß noch als meine schwer kranke (Hirntumor) Oma starb. Abgesehen von der Trauer an sich, empfand ich es als ganz schrecklich und kühl. Sie kam damals nachts ins Krankenhaus, meine Mutter rief mich dann im laufe des Morgens auf Arbeit an und teilte mir mit, das Oma gestorben ist. Alleine im Krankenhaus, keiner von der Familie war bei ihr. Hätte ich gewusst das sie nachts in KH gekommen war, wäre ich nicht zur Arbeit sondern zu ihr gefahren, meine Mutter hielt es aber weder für nötig mich zu informieren (ich wohnte damals nicht mehr zuhause) noch selbst zu ihrer eigenen Mutter zu fahren. Sie wurde ja nachts benachrichtigt, wollte dann aber erst am nächsten Nachmittag zu ihr fahren. Das war dann ja zu spät. Das sie diese Entscheidung so für sich getroffen hatte, konnte ich akzeptieren, aber nicht, dass sie diese auch für mich getroffen hatte.

      Auch wenn einer der Hunde/Tiere meiner Eltern krank oder alt war, fand ich den Umgang meiner Eltern damit immer ganz schrecklich und für mich falsch (habe aber immer akzeptiert das es eben ihr Weg ist, damit umzugehen). Mein Vater fuhr dann immer mit dem Tier zum TA und kam ohne wieder. Uns Kindern wurde dann später mitgeteilt das der Hund/das Tier jetzt tot ist. Wir konnten uns nie richtig verabschieden. Auch hier war das immer, in meinen Augen für mein Empfinden, schrecklich kühl und negativ behaftet.

      Diese Erlebnisse hinterließen immer eine schrecklich düstere Trauer (auch bei meiner Oma später) bei mir und ich hatte schon meinem ersten eigenen Hund, da war ich 14, geschworen, dass ich ihn nie alleine lasse und bis zum Schluss bei ihm bleibe. Seitdem konnte ich solche Erlebnisse viel besser verarbeiten. Egal, ob das Ganze nun daheim sein durfte oder in einer TA-Praxis sein musste. Ich bin immer geblieben, bis zum Schuss.

      Als ich vor wenigen Jahren meine Schwiegermutter pflegte, kam ja auch der Tag der Tage. Leider lag sie zu diesem Zeitpunkt ja auch schon seit einiger Zeit im KH auf Intensiv. Aufgrund ihrer Patienten-Verfügung war ihr Tod sogar irgendwie "planbar", wir wussten dass es nun soweit ist, denn sie wollte die Maschinen abgestellt haben. Mein Mann, die Kinder und ich waren dabei. Solange sie noch ansprechbar war, haben wir zusammen leise gesungen und sie hat den Kindern noch ganz wundervolle, persönliche Worte mit auf ihren Lebensweg gegeben, sich verabschiedet und sie dann raus gebeten.
      Mein Mann und ich sind geblieben, bis zu ihrem letzten Atemzug. Mein Mann hat ihre Hand gehalten und gestreichelt und ich habe sie eng im Arm gehalten. Sie ist wunderbar sanft eingeschlafen und sah auf einmal im Gesicht aus, wie eine junge Frau. Ganz entspannt und irgendwie auch glücklich. Alles war wundervoll friedlich, natürlich ganz ganz traurig, aber in keiner Weise negativ. Weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll. Es war letztlich gut so, stimmig, der Lauf des Lebens eben.

      Seit diesem Erlebnis habe ich keine Angst mehr vorm Sterben und kann für mich persönlich viel besser mit diesem Thema und meiner Trauer umgehen. Auch meine Kinder sprechen immer mal wieder darüber, wie dankbar sie dafür sind, das so erlebt zu haben. Ich glaube das sie so einen gesunden Umgang mit dem Tod erlernen konnten. Mein Ältester Sohn wollte das damals im übrigen nicht (die Kinder durften ja selbst entscheiden), er hatte sich am Abend vorher von ihr verabschiedet. Völlig okay. Jeder hat da einen anderen Weg für sich mit umzugehen. Das ist gut und richtig.

      Und wenn ich hier jetzt schon einen halben Roman dazu geschrieben habe, dann kann ich auch noch ergänzen, das ich es z.B. echt schlimm fand, sie später dann nochmal zu sehen. Nachdem sie gestorben war, sind mein Mann und ich nämlich erstmal raus an die Luft, haben uns auf eine Bank im KH Park gesetzt, haben mit den Kindern telefoniert und dem Bruder meines Mannes. Einen Kaffee getrunken und uns einfach die Sonne etwas ins Gesicht scheinen lassen. In der Zwischenzeit haben die Schwestern Schwiegermutter gewaschen, alle Maschinen abgeräumt, das Bett nochmal ordentlich gemacht und dann durften wir nochmal zu ihr. DAS würde ich nie wieder machen, denn jetzt lag da eine Leiche im Bett, alles Leben war erloschen.
      So weiß ich für mich, das ich niemals an einen offenen Sarg treten werde, weil MIR das nicht gut gut. Auch das empfindet natürlich jeder anders und auch das ist gut und richtig.

      So, weiß auch nicht warum ich mir das jetzt alles irgendwie von der Seele schreiben musste. Aber es tat gut.
      Ihr dürft das gerne einfach überlesen oder kommentieren, ganz wonach euch ist.
      Wer weiter denkt - kauft näher ein. :zopfie_einkaufen
      Unsere gemeinsame Mutter Natur zeigt ihren Kindern immer deutlicher,
      daß ihr der Geduldsfaden gerissen ist. :zopfie_verlegen Dalai Lama
    • @ralui Ich wünsche eurer Holly auch nur das Beste :zopfie_umarm
      Spoiler anzeigen
      Es ist schön, dass du deinen Weg gefunden hast mit dem Tod und allem was dazu gehört umzugehen. Der Umgang deiner Eltern mit dem Thema wäre für mich auch schwer gewesen.

      Ich war bei zwei meiner Großeltern auch nicht am Sarg, da ich mich von beiden noch vorher verabschieden konnte und wollte mir lieber das Bild bewahren. Mein Opa starb zuerst, da war ich ca. 10, und meine Oma viele Jahre später. Ich habe meine Entscheidung bei beiden glücklicherweise auch nicht bereut. :sommer01
      Nur bei meiner zweiten Großmutter hatte ich keine Möglichkeit mich zu verabschieden, das letzte Gespräch war auch eher unschön und deshalb "musste" ich an den offenen Sarg. Es waren aber auch insgesamt sehr unschöne Umstände um ihre letzte Zeit und ihren Tod. Das geht mir bis heute nicht aus dem Kopf und wird es wohl auch nie ganz. :zopfie_traurigja Vielleicht würde ich es mich aber heute quälen, wenn ich nicht zum Sarg gegangen wäre? Also war es vermutlich in dem Fall schon besser. :zopfie_verlegen Trotzdem kann ich auch nicht sagen, dass es mir wirklich geholfen hätte dorthin zu gehen. :zopfie_nein
      Ich kann deine Erfahrung mit deiner Schwiegermutter jedenfalls sehr gut verstehen, auch wenn die Situation an sich eine ganz andere war. :zopfie_umarm
      LG Chalha
    • ralui schrieb:

      Mehr als einmal habe ich erleben können, wie sich zum Beispiel ein Hunderudel verändert/verhält, wenn eines ihrer Mitglieder stirbt und wie wertvoll es für dieses Rudel ist, wenn das alles möglichst natürlich ablaufen darf und der geschwächte Hund im Kreise dieses Rudels gehen darf.
      Ja, das stimmt! Das habe ich bei einer Freundin auch erlebt. Bei mir waren die letzten Hunde immer einzeln, wenn sie gingen. ICH war dann das Rudel - und die Kinder.

      ralui schrieb:

      Ist der Hund dann gestorben, ist es aber auch "erledigt" und das Leben der anderen geht weiter. Dann kann man den toten Hundekörper aus dem Rudel entfernen und beerdigen. (...) Viele Hunde trauern auch, was für mich auch dafür spricht, das Hunde den Tod "kennen und begreifen".
      Auch das stimmt! Ja, sie kennen den Tod! Aber wenn ein einzelner Hund ohne Hunderudel gehen muss, scheint es mir, als würde er selber es nicht ahnen. Er scheint mir immer noch in der Gegenwart zu sein- und nimmt die Veränderung seines Bewusstseins und Körpers hin. Sucht in den letzten Stunden und Minuten auch stark die Nähe.

      Und dann ist es ja auch gut, wenn der Hund daheim in meinen Armen stirbt. Und in einer letzten Umarmung, von der man selbst, als Mensch, nicht weiß/ahnt, dass es jetzt die allerletzte ist, die geliebten Augen brechen.

      Holly und Dir wünsche ich auch, dass sie noch Euer neues Welpenmitglied im Rudel erleben darf!
      Ich wünsche Dir und ihr, dass sie sanft gehen kann.

      So soll und wird es sein! :)

      Geli
      Ein Garten ist der Spiegel der Seele, die ihn betreut.

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    • Mir sind die letzten Beiträge hier über das Sterben doch so unter die Haut gegangen, dass ich erstmal anderthalb Stunde ganz still vor dem Computer saß und mich für nichts mehr interessieren konnte. Häkeln und Stricken, Blumen und Garten - es erschien mir alles auf einmal so marginal.
      Da tauchten auch meine verstorbenen Hunde auf, mein Vater, meine Mutter... und wie sie gingen.
      So. Gestern bin ich da gedanklich durchgegangen --- und heute habe ich es beiseite geschoben.
      Aladin ist 10, und als relativ kleiner Hund hat er noch gut 5 Jahre Zeit.

      Deshalb will ich heute @raluis Frage nach dem Hundewart der Stadt Warburg beantworten.

      Ja, es gibt ihn! Er ist offiziell als Hundewart bei der Stadt angestellt! Auf 450 Euro Basis. Ist ein Rentner, trägt ein Käppi, ist fett und feist und ein Ar**hloch! Seine Aufgabe ist es, die Behälter mit den Kotbeuteln im gesamten Stadtgebiet nachzufüllen, widerechtlich im Stadtgebiet freilaufende Hund aufzuspüren, und die Besitzer beim Ordnungsamt anzuzeigen. Ferner erhält er die Anzeigen, die beim Ordnungsamt eingehen, wegen Bellens, Freilaufens, oder was weiß ich, und geht die Hundehalter dann besuchen. Dort kontrolliert er die Steuermarken und macht sich verbal breit, mit seinen Ansprüchen an Rechtbarkeit.

      Einer seiner Tricks ist, dass er, wo immer er hingeht, versucht die Hundebsitzer auszuhorchen. Bei manchen Frauen hat er leider auch Glück! Er möchte wissen, ob sie andere widerrechtlich freilaufende Hunde sahen, ob die irgendwo hinmachten, ohne dass seine grauen Tüten zum Einsatz kamen; er fragt nach, welche Hunde das waren, und wo die Besitzer ( wohl) wohnen. Dann geht er in das Viertel, klingelt die Türen ab, und wo es bellt, tritt er ein. " Ich komme von der Stadtverwaltung! Darf ich mal Ihre Hundemarke sehen?"

      Dann erfolgt sein zweiter Trick, sein Text: "Es ist so, Frau Sowieso, die Nachbarn haben sich über Ihren Hund beschwert! Und, es ist keineswegs nur Einer, das könnte man ja noch gelten lassen, es sogar als Hundefeindlichkeit oder Spinnerei abtun, aber nein, es sind ALLE! Die ganze Straße rauf und runter! Stellen Sie sich das mal vor! Überall in Ihrem Umkreis wurde mir gesagt, er würde frei auf der Straße ausgeführt werden, so dass ALLE Kinder Angst bekommen, würde vor dem Kindergarten sein Geschäft verrichten, und er würde abends nach 20 Uhr bellen!"

      Mein Nachbar Häärbert hatte mich ja angezeigt, dass meine blonde Labbi/Goldenhündin im Ort frei liefe. Tat sie auch. Absolut bei Fuß. Ihre rote Flexileine stolz im Maul. Ich habe gedacht, die Leute hier müssten sich freuen, einen so gut erzogenen Hund zu sehen!
      Ich habe gedacht, sie müssten Bonnie bewundern, wie toll sie am Straßenrand auf klitzekleine Handzeichen reagierte!
      Stoppte und wartete und saß, wenn nötig, dann weiterging, nur auf das Heben eines Fingers! - NIx da.
      Wenn hier die verbindende Leine sichtbar fehlt, ist der Hund wohl gefährlich! Nur Penner und Obdachlose lassen hier ihre Köter unangeleint laufen, und dass sind die, bei denen der Herr Jakob ein sehr gutes Betätigungsfeld findet.

      Na, da hat er mir das erste Mal erzählt, ALLE Nachbarn würden sich beklagen! Und ich ( Idiotin!) habe es ihm tatsächlich geglaubt!

      Dann habe ich Bonnie meinen Nichten im Münsterland gegeben, wo sie für die letzten vier Jahre ihres Lebens ihr wunderbares Können unter Beweis stellen durfte. Immer frei laufend, mit den Kindern auf den Pferden unterwegs, nie jagend, immer aufmerksam...

      Meine Cousine, die Mutter der Mädchen, hat mich am Telefon ein paarmal gefragt: "Wie hast du das eigentlich gemacht, Bonnie so toll zu erziehen? Andere Hunde bellen, andere Hunde zerren an ihren Leinen! Andere Hunde lassen sich nicht abrufen!
      Wenn ich mit Bonnie durch den Ort gehe, Angelika, mit den Mädchen, ich kann sie vor dem Bäckerladen unangeleint absitzen lassen, und sie bleibt am Fleck, bis wir wieder herauskommen. Nie würde sie diese Stelle von selbst verlassen! Nicht Katze, nicht Hund, nicht Briefträger würden sie aus ihrer Stellung dort weglocken! Und wenn ich mit ihr in Wald und Flur unterwegs bin, und mir die anderen unartigen Hunde begegnen... sie ist so sicher! So klar! Ich sag' dir eins, obwohl es nicht mein Verdienst ist: ich bin jeden Tag absolut stolz auf Bonnie!"

      Na, ich habe angefangen mit ihr liebevoll - und mit viel Spaß für den Hund - zu arbeiten, als sie 6 Monate alt war. Meine Verwandten haben einen wunderbaren Hund gekriegt, und ich bin sehr froh, dass Bonnie nicht bei mir gestorben ist.
      Auch mit der Vorgängerin von Bonnie hatte ich mir sehr viel Mühe gegeben. Lucy, auch Labbi x Goldenretriever, war absolut Klasse.
      Das ist/bzw. war sie:



      Nach Bonnie habe ich mir hier in Warburg den Spitz Aladin angeschafft. Ich wusste, dass er unmöglich ist, dass er bellt, dass er Angst hat, aber ich dachte: So viele andere Menschen haben schlecht erzogene Hunde? Warum nicht auch mal ich?

      Ich dachte: wenn ihr, Leute aus diesem kleinen, zu Warburg gehörendem Dorf, so einen phantastischen Hund wie Bonnie ablehnt, könnt ihr ja mal sehen, was danach kommt! BESSER kann es ja nicht werden!

      Er soll am Törchen bellen und euch verscheuchen! Er soll euren Kindern und euch Angst machen! Ätsch-bätsch, empfand ich trotzig!
      Dafür läuft dieser Hund aber wunderbar an der Leine, nach eurer Regel, denn losmachen kann man ihn nicht, weil er nicht straßensicher ist.

      Und prompt hatte ich die nächste Anzeige am Hals! Der Hund würde hinter dem Törchen bellen!
      Schon tauchte der Herr Jakob wieder auf. ALLE Nachbarn hätten sich über mich beschwert, ALLE! Also, er würde so urteilen: ich dürfte den Hund nicht mehr alleine in meinen Garten lassen. Er müsse zukünftig im Haus bleiben, und dürfe nur noch von mir beaufsichtigt ausgeführt werden. Soweit ginge seine Verfügung vom Ordnungsamt.

      Na, aber diesmal glaubte ich ihm das nicht, mit "ALLE" Nachbarn. Ich habe die Sache öffentlich gemacht. Ich habe die Anzeige zig mal kopiert und bin damit in alle mich umgebenden Häuser gegangen. Eigentlich in allen wurde ich liebevoll begrüßt. Nur die ängstlichen Müllers hielten sich etwas zurück. Die Nachbarin Bettina stellte dann einen geheimen Schnüffeltrupp auf, um herauszufinden, wo die Anzeigen herkamen. Sie schnüffelten beim Bäcker, beim Lädchen, beim Frisör, in der Gymnastikgruppe für Senioren, in der örtlichen Kneipe, und es stellte sich heraus, es konnte nur mein direkter Nachbar sein, der Herr Häääärbert. Alle anderen waren okay, möchten mich auch, mich und meinen weißen Hund.
      Niemand von denen hatte sich über mich beschwert. Oder sich über das Bellen des Spitzes hinter meinem Törchen aufgeregt.

      Es kam noch eine weitere Anzeige, mein - sicherlich stark vernachlässigter! - weißer Hund würde des nachts bellen! Um 11 Uhr! ALLE Nachbarn hätten sich beschwert!
      Daraufhin habe ich das Haus verkauft.

      Nicht genug! Nachdem ich umgezogen war, erschien Herr Jakob wieder. Man habe festgestellt, ich hätte meinen Hund an der Kirchwiese frei laufengelassen, und er habe da hingemacht! ALLE Nachbarn hätten sich darüber beschwert! Die hätten ja auch kleine Kinder! Ja, gut, wenn es nur einer gewesen wäre, das könne man das ja noch als Hundefeindlichkeit oder Spinnerei abtun, aber es seien ALLE gewesen!

      "Ich glaube Ihnen kein Wort!", sagte ich diesmal. "Von 'Alle' kann überhaupt nicht die Rede sein. Schauen Sie, Herr Jakob, hier, in meinem Flur liegt griffbereit die Hundleine, ich kann meinen Hund nämlich im Ort überhaupt nicht losmachen, weil er nicht straßensicher ist. Daneben liegen die grauen Kacktüten, in einer Rolle, und hier ist meine Hundemarke. Woher haben Sie also Ihre Information?
      "Na, von der Frau mit dem braunweißen Beagle. Kennen Sie die nicht? "- "Nein!"
      "Die wohnt Haudaerstr, soundso, und die hat beobachtet, dass Sie ihren Hund dort vor der Kirche ausscheiden liessen und die Reste nicht weggmacht haben! Ich habe die erwischt, weil die ihren Beagle nebenan am Kindergarten freilaufen ließ! ALLE haben sich beschwert! Das geht ja nun gar nicht, nicht wahr?"
      "Dankeschön, Herr Jakob, ich war es jedenfalls nicht! Und nun: Guten Tag!"

      Da denkt man sich langsam, ob eine Ruhrgebietsstadt nicht doch zum Leben besser wäre.
      Gell, @zitze?

      Geli
      Ein Garten ist der Spiegel der Seele, die ihn betreut.

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    • Meine alte Dame hat sich wieder etwas erholt, jetzt wo es nicht mehr so kalt bei uns ist, geht es ihr deutlich besser. Sie hat auch wieder Flausen im Kopf und geht Maulwürfe jagen, danach schaut sie dann so aus:

      Wer weiter denkt - kauft näher ein. :zopfie_einkaufen
      Unsere gemeinsame Mutter Natur zeigt ihren Kindern immer deutlicher,
      daß ihr der Geduldsfaden gerissen ist. :zopfie_verlegen Dalai Lama
    • Ich hatte das zuletzt irgendwie nicht mehr gelesen. Aber ich freue mich, dass es Holly besser geht und ich hoffe sehr, dass sie Euren Neuzugang noch kennenlernen darf. Sie sieht so absolut goldig aus wie sie so da sitzt: was denn? Ich hab doch nix gemacht. :zopfie_zwinkgrins
      Auf dem Boden der Tatsachen liegt zu wenig Glitzer

      Wenn Du nichts zu sagen hast - dann sage nichts
      - Mark Twain -
    • Ja, die friert bei diesem Wetter.
      Im Fahrradkorb gibt es eine schöne Decke, die ich über sie lege, denn obwohl der Korb geschlossen und mit Überzug versehen ist, zieht es sicherlich. Aber heute konnten wir mal kein Fahrrad fahren, da hat sie d. Mäntelchen angezogen bekommen u. hatte anschließend noch den
      Model-Foto-Termin, den sie gern wahrnimmt, da es danach eine Belohnung gibt. :zopfie_gassi
      Ein Garten ist ein großartiger Lehrer. Er lehrt uns Geduld und umsichtige Wachsamkeit;
      er lehrt uns Fleiß und Sparsamkeit; und vor allem lehrt er vollkommenes Vertrauen.

      Gertrude Jekyll
    • Über meinen ängstlichen Aladin musste ich heute mal wieder lachen. Und nicht nur ich!
      Wie so oft, habe ich beim Hundegang wieder Freunde besucht.
      Ach, denen ging es ganz schlecht! Josef lag auf der Couch und stöhnte, Angelika saß händeringend auf der Eckchouch daneben.

      Ich: "Ja, was ist denn mit Euch los?"
      Angelika: "Bleib weg, vielleicht ist es ansteckend!"
      Josef, nuschelnd: "Ist nicht ansteckend!"
      Ich: "Ich setze mich hier auf den Stuhl an der Terrassentür, das ist weit genug weg, und dann erzählt mal!"
      Josef: "Wir wollten dich gestern schon anrufen, und dich bitten, uns Medikamente zu holen!"
      Angelika: "Aber dann kamen wir auf die Idee, einfach die Apotheke anzurufen. Die hat uns dann Zeug gebracht."
      Ich: "Aber gegen was denn? Wozu denn?"
      Josef: "Ich habe einen Durchfall wie noch nie in meinem Leben! Ich bin völlig erschöpft!"
      Angelika: "Er hat es gestern abend noch nicht mal geschafft, bis ins Schlafzimmer zu kommen!"
      Ich: "Au weia! Jetzt hast du aber irgendwas ?"
      Josef: "Ja, Perenterol, und dies hier... und das... "
      Ich: "Kann ich auf diese Entfernung nicht erkennen, es geht dir aber besser?"
      Josef: "Ja. Entweder den Magen verdorben oder ein Virus."
      Angelika: "Ich habe aber nichts! Ich bin nur völlig und absolut fertig, wegen Josef!"

      Und dann geschah das Wunder.
      Der kleine Aladin liebt ja diese beiden Menschen - und diese beiden Menschen lieben ihn!
      Zu Josef wollte Aladin heute nicht hingehen, der Hund nahm aus der Ferne wahr, dass mit diesem lieben Menschen offenbar etwas nicht stimmte.
      Aber er wollte zu Angelika, auf das relativ kleine Ecksofa. Das konnte er aber nicht. Er nahm immer mal wieder einen kleinen Anlauf, um zu ihr hochzuspringen, stoppte aber mitten im Anlaufen, sprang wieder zu mir und versteckte sich hinter meinen Beinen.
      Trippelte dann erneut los, verharrte erneut, und starrte dabei auf eine Ecke zwischen Klavier und Angelikas Couch.

      Angelika: "Da ist doch was! - Ja, Aladin, was hast du denn?"
      Sie stand auf. "Ach, guck hier! Da steht ja der dicke Plastikrabe, den wir vorgestern aus dem Garten geholt haben, wegen Frost!"
      Angelika zog ihn hervor. Aladin floh dabei erschreckt hinter meinen Stuhl.
      Angelika tätschelte den Plastikraben am Kopf, dann warf sie ihn um. "Guck mal hier, Aladin! Dieser doofe Vogel lebt nicht mehr!"
      Der kleine weiße Hund machte einen Luftsprung, und begann dann wie ein weißer Irrwisch um den Cochtisch und den Esstisch zu rennen. Angelika rief: "Ich krieg dich!", und ruderte mit den Armen, Aladin rannte begeistert noch schneller, wie eine weiße Kugel tobte er daher, schnappte sich dazwischen einen Ball, den er hoch in die Luft warf, um dann endlich, endlich auf der Eckcouch zu landen, auf Angelikas Schoß und in ihren ausgebreiteten Armen.
      Josef hatte sich inzwischen aufgerichtet, um besser sehen zu können, und er lachte aus vollem Halse.

      So hat der kleine weiße Hund heute große Fröhlichkeit in dieses Krankenzimmer gebracht.

      "Nun wird es dir bald besser gehen," sagte ich zu Josef, "wenn du jetzt Medis gegen den Durchfall hast!"
      "Nee, sagte er, "erst muss ich zum Urologen."
      "Wieso das? "
      Josef: "Na, ich habe mir auch noch eine Blasenentzündung gefangen."
      Angelika: "Na, kennste vermutlich doch: ständig muss er pinkeln, aber dann nur zwei Tropfen! Und brennen tut es auch!"
      "Dagegen hilft Cystinol," sagte ich. "Das sind Bärentraubenblätter. Hilft gut! Habe ich noch zu Hause. Bringe ich Euch gleich.
      Und gut durchspülen muss er auch. Am besten mit Kräutertee, weil er ja kein Altbier- wegen des Alkoholgehaltes - vertragen kann.
      Ich bringe Euch gleich das Cystinol akut, das wird dir helfen, Josef!!"

      Und dann erzählten die beiden mir eine Geschichte, die mich sehr staunen ließ.
      Zum Teil kannte ich sie auch schon, aber nicht zur Gänze.

      Josef hatte auch schon zu Ostern letzten Jahres eine Blasenentzündung mit den beschriebenen Symptomen. Dazu erhöhte Temperatur, also 37,9. Weil er auch noch zig andere Baustellen hat, Herz und Diabetes, rief er ängstlich den Notarzt an.
      Angelika kam von ihrer Arbeit im Behindertenheim zurück, und sagte zu ihrem Mann: "Hör mal, da draußen irrt ein Notarztwagen umher, ich habe fast den Eindruck, der will zu uns?"
      "Und bumms," erzählte Angelika heute, "standen sie drin! Zig Leute, alle in Schutzkleidung, mit dicken Masken! Josef auf die Liege verfrachtet - und abgefahren. Im Krankenhaus stellte sich dann heraus, dass er natürlich KEIN Corona hat, sondern eine schlichte Blaseninfektion! "
      Nun griff Josef erzählerisch ein: "Jetzt ist es aber so, dass der einzige Urologe hier im Ort, Dr. R., nur seine Belegbetten besucht, die er im Krankenhaus hat. Die leichteren Fälle sollen in seine Sprechstunde kommen. Ich blieb also unbehandelt, bis Angelika mich abholte."

      Angelika: "Im Rollstuhl, weil Josef nicht wirklich laufen konnte! Wie sollte ich den nur ins Auto kriegen? Also bin ich erstmal in die Praxis von Dr. R. gelaufen, um ein Rezept für Medikamente und Hilfe zu erbitten! Das Rezept bekam ich auch!
      Ich bin in die Apotheke zu Apotheker Dr. Genau gelaufen, der konnte es nicht lesen! Der hat versucht, in der Praxis von Dr.R. anzurufen, da ging keiner ans Telefon! Ich wusste aber, dass die Praxis besetzt war, ich war doch eben erst dort!
      Dr. Genau gab mir den Rat, mal eben dort hinzulaufen, damit die IHN anriefen und ihm das Rezept entschlüsseln könnten! So geschah es auch.
      Der arme Josef saß derweil in einem Rollstuhl, abgedeckt mit einer Plane, vor unserem Auto. Eine Angestellte des Apotheker Genau half mir, ihn einzuladen. Dann habe ich den Rollstuhl- schiebend - wieder ins Krankenhaus zurückgebracht. Man! War das ein Stress!"

      Tjo. Verdammte Schei**e, sowas. Einer wird der Infektion mit Corona verdächtigt, seine akute Erkrankung wird aber selbst im Krankenhaus nicht behandelt. Von dem, der aktuell nicht laufen kann, aus welchen Gründen auch immer, nimmt man an, dass er die ambulante Sprechstunde eines Arztes besuchen kann. Tja. was soll ich dazu sagen? Wir sind damals im März, April 20, bei der ersten Coronawelle, wohl alle irgendwie ausgetickt.
      Ich hoffe, dass Josef jetzt die Kapseln aus Bärentraubenblättern helfen. Werden sie auch. Sie sind ein verdammt gutes Medi gegen einfache Blasenentzündungen. Der Tee daraus ist noch 'ne Ecke besser, den kann ich hoffentlich morgen für Josef in der Apotheke holen.
      Angelika fährt mit, zum Einkaufen, denn Josef kann noch nicht autofahren, und der neue Wagen ist ihr fremd.
      Besser, ich kutschiere sie.

      Und vorher lasse ich nochmal meinen weißen Hund los, in deren Haus, damit beide von Herzen lachen können!

      LG
      Geli
      Ein Garten ist der Spiegel der Seele, die ihn betreut.

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